„Es gibt keinen Masterplan“

Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Wuppertal zum 200-jährigen Geburtstag von Karl Marx

Gestern Abend im Museum für Frühindustrialisierung: Trotz der sommerlichen Temperaturen waren Viele der Einladung zu einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung gefolgt. Sie stand unter dem Titel „150 Jahre Kapitalismus von Barmen, Manchester bis Rana Plaza“, die im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum 200-jährigen Geburtstag von Karl Marx stattfand. Symbolträchtig der Ort der Veranstaltung, unweit des Geburtshauses von Friedrich Engels, dem philosophischen und politischen Weggefährten von Karl Marx.

Grundsätzlich ging es um die Frage, inwieweit die Marxsche Theorie zur Erklärung von sozialer Ungerechtigkeit und unfairen Welthandel auch in der Gegenwart noch herangezogen werden kann und uns hilfreiche Antworten liefert. Exemplarisch versuchte man dies zu verdeutlichen am Beispiel der Textilindustrie in Bangladesh. Auf dem Podium, Prof. Heinz Sünker von der Uni Wuppertal, Dr. Gisela Burchkhardt, FEMMET e.V., Dr. Nina Kleinöder, Uni Marburg sowie Josef Neumann in seiner Funktion als Politiker und Landtagsabgeordneter. Durch den Abend führte Ute Welty, Journalistin und Moderatorin beim Deutschlandfunk. Den Abend eröffnete Sohel Ahmed, Referent des Bonner Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Schnell kam man darin überein, dass in Zeiten der Globalisierung der Kapitalismus einem steten Wandel unterliegt und neue Facetten hervorgebracht hat. Extreme soziale Ungleichheitsmuster spiegeln sich heute nach wie vor auf nationaler Ebene, als auch im internationalen Kontext. Man war sich schnell einig, dass die von Marx und Engels entwickelte Theorie des Kapitalismus zur Analyse und Bewertung der ökonomischen Entwicklungsprozesse und der politischen Rahmenbedingungen immer noch ein hilfreiches Instrumentarium bereithält.

Eine schlüssige Antwort auf das Problem der nachhaltigen Überwindung ungerechter wirtschaftlicher Verhältnisse blieb man an diesem Abend allerdings schuldig. „Es gibt dafür keinen Masterplan, wie Marx noch hoffte, sondern nur das unablässige Bemühen durch engagiertes politisches Handeln, aber auch durch das Verhalten der Konsumenten, durch starke Gewerkschaften und die Änderung der Regularien des Welthandels ein Stück weit die Welt gerechter zu gestalten,“ so Josef Neumann in seinem Abschlussstatement.