Gutachten zu möglichen finanziellen Auswirkungen der schulischen Inklusion vorgelegt

Unter dem Titel „Mögliche finanzielle Auswirkungen einer zunehmenden schulischen Inklusion“ hat der Bildungswissenschaftler Klaus Klemm sein Gutachten zu den erwartbaren zusätzlichen Kosten einer schrittweisen Realisierung der schulischen Inklusion in NRW veröffentlicht. Auf Grundlage von Einzelfallanalysen zur Stadt Krefeld und dem Kreis Minden-Lübbecke ermittelt er darin mögliche finanzielle Effekte der landesweiten Inklusion in den Schuljahren 2014/15 bis  2016/17. Bildet man den Mittelwert aus den Zusatzausgaben für die beiden untersuchten Regionen und rechnet diesen hoch, ergeben sich insgesamt Mehrausgaben von 113,5 Mio. Euro. Den Wortlaut des Gutachtens finden Sie unter: http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Inklusion/Gutachten-Prof_-Klemm_Text.pdf

Die kalkulierte Summe beinhaltet 76 Mio. Euro (5.100 Euro je Schüler/in) für die sog. „schulischen Voraussetzungen“ sowie 37,5 Mio. Euro (also 2.500 Euro je Schüler/in) für die sog. „schulische Inklusion unterstützenden Maßnahmen“. Die erstgenannte Summe betrifft insbesondere Umbaumaßnahmen zur barrierefreien Ertüchtigung der Infrastruktur, die zweitgenannte vor allem zusätzlichen Fachkräftebedarf.

Josef Neumann, inklusionspolitischer Sprecher der SPD im Landtag, dazu: „Es gibt eine ganz entscheidende Botschaft. Dieses Gutachten schafft mit seiner Kostenprognose endlich Klarheit. Das ist ein erheblicher Gewinn für die Debatte. Bisher standen unterschiedlichste Mutmaßungen im Raum. Teilweise wurden Zahlen verbreitet, die die ermittelte Summe um ein Vielfaches übertrafen und von unsachlichen Schreckensszenarien untermalt wurden. Kommunen und Land sind jetzt aufgefordert, den Weg hin zu einer pragmatischen Lösung zu finden. Die Haltung des Fraktionsvorsitzenden Norbert Römer erfährt meine vollkommene Unterstützung. Das Menschenrecht auf Inklusion auch in der Schule wird gleichermaßen konsequent und mit Augenmaß schrittweise umgesetzt. Mit der Erstellung des Gutachtens ist ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg getan und ein wertvoller Beitrag zur Versachlichung der Debatte geleistet.“

Artikel 4 § 3 des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes verpflichtet das Schulministerium, über eine gesonderte Untersuchung unter Beteiligung der Kommunalen Spitzenverbände zu ermitteln, ob und ggf. welche finanziellen Auswirkungen für die Kommunen im Rahmen ihrer Aufgaben infolge der Veränderung des lokalen bzw. regionalen Schulangebots entstehen. as Ministerium machte von der Möglichkeit Gebrauch, einen Gutachter zu beauftragen. Die Kommunalen Spitzenverbände und das Land einigten sich einvernehmlich auf Prof. em. Klaus Klemm aus Essen.