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„Im Geist lebendigen Glaubens und lebendiger Kultur der Toleranz“ – Andreas Bialas zum Opferfest Gastredner in der Moschee Assalam

Am Tag des diesjährigen Opferfestes richtete sich der Wuppertaler Landtagsabgeordnete Andreas Bialas vor dem Gebet mit einem Grußwort an die mit mehreren Hundert muslimischen Wuppertalern komplett gefüllte Moschee am Diek, in dem er den Festtagsgruß mit einer intensiven Würdigung des lebendigen Geistes der Toleranz in Wuppertal verband.
Das Opferfest gilt als der wichtigste muslimische Feiertag, welcher zum Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka, der Haddsch, begangen wird. Bialas hob das intensive gesellschaftliche Engagement der muslimischen Gemeinschaft Wuppertals und die vitalen Strukturen innerhalb der Moscheevereine hervor. Er unterstrich die Bedeutung der Kultur des interreligiösen Dialogs in Wuppertal und erinnerte an die Solidaritätsbekundung des Gastgebers, Mohamed Abodahab, die dieser unter Berufung auf den Koran als stellvertretender Sprecher der Moscheegemeinden anlässlich des Brandanschlages auf die Wuppertaler Synagoge formuliert hatte:
„Wer dieses Gotteshaus angreift, greift unser aller Gotteshäuser an, greift uns alle an. Es gibt keinen Unterschied, egal ob es eine Moschee, eine Synagoge oder eine Kirche ist.“

In Anwesenheit von etwa 400 Gläubigen und dem Vorsitzenden des städtischen Integrationsrates, Helge Lindh, illustrierte Bialas anhand zweier Beispiele besondere religionsgeschichtliche Spuren und Prägungen Wuppertals: die Planung des landesweit ersten Friedhofes in muslimischer Trägerschaft als direkten Nachbarn eines evangelischen und eines jüdischen Friedhofes sowie die Geschichte des Geländes in der Gemarke. Ein Teil desselben wurde von der evangelischen Gemeinde der Jüdischen Kultusgemeinde zum Bau der neuen Bergischen Synagoge übertragen. In der benachbarten Gemarker Kirche war vor 80 Jahren die Barmer Theologische Erklärung verkündet worden. „Sie klärte“, so Bialas, „Sie klärte, welche Ansprüche Gott hat und welches Recht der Staat gegenüber dem Menschen erheben kann, also: Was ist Gottes, was ist des Staates.“
Der Wuppertaler Parlamentarier verwehrte sich gegen jegliche Gleichsetzungen des täglich gelebten Islam mit der Ideologie des Salafismus, dessen erste Opfer Menschen muslimischen Glaubens seien. Bialas warnte davor, die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Gefangenschaft einer doppelten Opferstruktur zu fesseln, als Opfer der Nötigung und Ängstigung durch Radikale und als Opfer des Generalverdachts vermeintlicher Nicht-Integrierbarkeit.
Abschließend plädierte Bialas für die einende Einsicht in die Universalität der Menschenrechte, die primär Rechte der zunächst Machtlosen und Beherrschten seien.
Staaten könnten keine Paradiese schaffen, keine Herrscher im Besitz historischer oder religiöser Wahrheiten sein, Menschen neigten dazu, sich an die Stelle Gottes zu setzen:
„Aber: die Weltreligionen tragen in sich das Versprechen, dass das Leben der Menschen besser wird. Denn der Mensch ist Gott nicht egal, wohl aber häufig genug der Mensch dem Menschen.“