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Bialas: „Islamischer Religionsunterricht als Zeichen der Normaliät“

Die Mensa der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule war gut gefüllt, als NRW-Schulministerin Löhrmann gestern am späten Nachmittag eintraf. Wie unschwer an der Zahl der BesucherInnen zu erkennen, ist das Interesse groß, über Fragen der weiteren Etablierung islamischen Religionsunterrichtes an Wuppertaler Schulen zu diskutieren. Unter den zahlreichen Gästen auch Oberbürgermeister-Kandidat Andreas Mucke. Und nicht zuletzt Vertreter aus allen Wuppertaler Moscheevereinen.

Neben der Ministerin nahmen auf dem Podium Schuldezernent Dr. Stefan Kühn, der Vorsitzende des NRW-Beirates für den islamischen Religionsunterricht, Mehmet Soyfun, der Vorsitzende des lokalen Integrationsrates Helge Lindh sowie der Landtagsabgeordnete Andreas Bialas Platz. Mohamed Abodahab, stv. Vorsitzender der Interessenvertretung der Wuppertaler Moscheen, auf deren Einladung die Veranstaltung zustande kam, übernahm die Moderation.

Die Ministerin betonte in ihrem Eingangsstatement, dass NRW mit dem Angebot zur Einführung islamischen Religionsunterrichtes in den Regelschulbetrieb, in der Wirklichkeit angekommen sei. Bei einer Zahl von 320.000 muslimischen SchülerInnen sei es nicht nur ein Gebot der formalen Gleichstellung und Gleichbehandlung der Religionen, sondern ein wichtiger Schritt auf die Muslime in unserer Gesellschaft zuzugehen. Ihnen werde dadurch noch ein Stück weit mehr ermöglicht, sich heimisch zu fühlen. Das religiöse Bekenntnis als wichtiger Baustein der kulturellen und sozialen Identität, müsse auch für die Muslime eine strukturelle Verankerung im Schulunterricht finden. NRW habe sich auf den Weg gemacht, das Angebot an islamischen Religionsunterricht bedarfsgerecht sukzessive zu erweitern. Bislang würde der Unterricht für 8000 Schülerinnen in ganz NRW angeboten. Dies sei bei weitem noch nicht genug, aber ein Anfang sei gemacht.

Auch Dr. Stefan Kühn, als zuständiger Dezernent unterstrich, dass man ebenso in Wuppertal auf gutem Weg sei. An fünf Schulen vor Ort werde der Unterricht bereits angeboten und 450 SchülerInnen würden damit erreicht. Mehmet Soyfun betonte, dass die Zusammenarbeit mit dem Land durch ein gutes Miteinander geprägt sei, es allerdings noch an grundständig ausgebildeten Lehrkräften fehlen würde. Es seien dringend mehr Stellen notwendig. Erst ab 2017, so die Ministerin, ist hier mit einer spürbaren Entlastung zu rechnen, da dann LehramtstudentInnen mit einer entsprechenden Ausbildung ihr Hochschulstudium absolviert hätten.

Auf die Frage von Mohamed Abodahab, ob der Religionsunterricht ein Mittel der Integration ist, entgegnete Andreas Bialas, dass diese Perspektive zu einer einseitigen bis verzerrten Wahrnehmung führe. Islamischer Religionsunterricht sei mitnichten primär ein Instrument der Integration, sondern vielmehr Ausdruck gesellschaftlicher Normalität. Wie im christlichen und jüdischen Religionsunterricht auch, biete der islamische den jungen Menschen die Möglichkeit, grundsätzlich über Moral, Ethik und Werte zu reflektieren. Obgleich der Lehrplan keine fixierten Inhalte vorgebe, würden zentrale Ziele und Kompetenzen postuliert, die sich positiv auf das Verständnis des gesellschaftlichen Mit- und Nebeneinanders auswirken könnten. Helge Lindh der bereits zuvor auf die prinzipielle Bedeutung des Religionsunterrichtes als Ort der Selbstvergewisserung hingewiesen hatte, bat darum, nicht zu verkennen, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch Vorbehalte gegen islamischen Religionsunterricht gäbe. Diese Realität müsse man zur Kenntnis nehmen und entsprechend sich bemühen, einen breiteren Diskurs als bislang in den Schulen zu initiieren, mit dem Ziel, Bedenken auszuräumen und um Verständnis und Anerkennung zu werben. Nur gegenseitige Akzeptanz und der Respekt vor dem religiösen Bekenntnis des jeweils anderen, könne die Basis für ein respektvolles Miteinander schaffen. Viele Fragen und Anregungen zu weiteren konkreten Schritten und zur organisatorischen Umsetzung des islamischen Religionsunterrichtes wurden noch aus dem Publikum gestellt.

Fazit des Abends: Wir sind auf dem Weg, aber vieles ist noch bei der weiteren Etablierung und Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichtes zu tun und die betroffenen Akteure, Schulen, Eltern und Schulträger, müssen verstärkt an einem Strang ziehen. Dazu war der gestrige Abend ein ermutigendes Signal.