„Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ – Aktionstag in Wuppertaler Moscheen

„Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ – unter diesem Motto rief der Koordinationsrat der Muslime zu einem bundesweiten Aktionstag für Frieden und gegen Hass und Gewalt auf. Der Koordinationsrat ist die gemeinsame Arbeitsplattform der vier größten muslimischen Dachverbände. In Wuppertal beteiligten sich 16 Moscheevereine an der mit dem Freitagsgebet gekoppelten Aktion. Ein Aufruf unter dem genannten Leitmotiv „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ wurde im unmittelbaren Anschluss an das Gebet in den Moscheen verlesen. Die Wuppertaler Landtagsabgeordneten Andreas Bialas und Josef Neumann nahmen vergangenen Freitag an der Friedensveranstaltung in der Wuppertaler ATIB-Moschee in Wichlinghausen teil. Bialas und Neumann zeigten sich sehr beeindruckt von dem offensiven, konzertierten Appell der Muslime in Deutschland. „Wir überlassen das Feld nicht denjenigen, die Religion für ihre gewalttätigen Zwecke instrumentalisieren oder die Lage für ungehemmte islamfeindliche Hetze nutzen. Sie alle bekommen die Härte des Rechtsstaates zu spüren. Die Opfer solcher Aktionen sind in mehrfacher Hinsicht die muslimischen Mitbürger, die in Misskredit geraten“, kommentierte Andreas Bialas den Hintergrund des Aktionstages.
„Jeglicher vorschnelle Vergleich des schrecklichen Solinger Brandanschlages von 1993 und der Vorgänge um die extremistische sog. „Scharia-Polizei“ ist absolut unzulässig und unangebracht. Es gibt jedoch Parallelen hinsichtlich der Reaktionen der Zivilgesellschaft und ihrer Auflehnung dagegen, geeint in dem Entsetzen über das, was man nicht für möglich gehalten hatte. Dass die muslimische Gemeinschaft jetzt auf diese Weise die Initiative ergreift, verdient höchsten Respekt“, ergänzte Josef Neumann als Wuppertaler und Solinger Parlamentarier.
Der Appell des 19. September richtet sich gleichermaßen sowohl gegen im Namen Allahs und „unter dem Banner des Propheten“ verübte Verbrechen, die bewiesen, dass in Wirklichkeit von den Tätern kein Wort der religiösen Offenbarung verstanden worden sei, als auch gegen Ausbrüche von Islamophobie, wie sie sich etwa in zahlreichen Brandanschlägen auf deutsche Moscheen äußerten.

Die beiden Landtagsabgeordneten nahmen zusammen mit weiteren Gästen, darunter der Vorsitzende des Wuppertaler Integrationsrates Helge Lindh und Pfarrer Michael Grütering, ehemaliger Elberfelder Dechant und Repräsentant des Runden Tisches der Religionen in Wuppertal, am Freitagsgebet und einer anschließenden interreligiösen Tischgemeinschaft mit muslimischen und christlichen Jugendlichen teil.
Der in den Wuppertaler ebenso wie in einer Vielzahl weiterer Moscheen an muslimische Gebetsbesuchern und nicht-muslimische Gäste gerichtete Aufruf formulierte in Erinnerung an die Gewaltexzesse von ISIS und die Anschläge auf Synagogen und Moscheen ein Statement gegen Hass und Menschenfeindlichkeit, „damit deutlich wird, nach welchen Geboten unseres Schöpfers wir Muslime leben, dass wir Muslime im Angesicht von Hass und Unrecht stets dazu berufen sind, aufzustehen und die Verfolgten und Notleidenden und alle, die Unrecht erfahren, in Schutz zu nehmen“ (Zitat).

Nach dem gemeinsam besuchten Freitagsgebet kamen beide Jugendgruppen an einem Tisch zusammen, um miteinander zu essen, einander kennenzulernen und auf dem Herzen liegende dringende Fragen an den jeweils anderen loszuwerden. Im Mittelpunkt des Dialogs unter Beteiligung des örtlichen Imams standen das veröffentlichte Bild des Islam und die Sorgen muslimischer Jugendlicher, für die Unrechtstaten und die Agitation einzelner in Haftung genommen zu werden. Die Versammlung trennte sich im festen Willen, die Begegnung zum Auftakt eines regelmäßigen Forums des Gedankenaustausches und wechselseitigen Sich-Befragens und Kennenlernens über die Grenzen der Glaubensgemeinschaften hinweg werden zu lassen.